Ontonym - passendes einfach finden

Change Blindness – über das Nicht-Erkennen vermiedener Fehler

Thomas Hoppe, Samstag, 22. August 2009

So, da hab ich jetzt vermutlich den richtigen Begriff für das Phänomen gefunden. Welches Phänomen ? Ach so, ich meine dieses Posting.

Das Phänomen wird nicht durch die Philosophie bezeichnet, sondern durch die Psychologie beschrieben. Es heißt dort „change blindness“ oder auf Deutsch „Veränderungsblindheit“. Ein befreundeter Chemiker & Informatiker hat mich darauf aufmerksam gemacht, er interessiert sich derzeit sehr für Erkenntnisprozesse. Danke Michael.

In der Psychologie werden zur Erläuterung dieses Phänomens meist visuelle Beispiele in Form von nacheinander präsentierten Bildern oder Filmen verwendet, in denen sich einige, oft unwesentliche Bildinhalte zwischen den einzelnen Bildern / Szenen verändern. Hier findet man einige Beispiele dafür. Das Interessante daran ist, dass unser Bewusstsein diese Unterschiede in der Regel erst mitbekommt, wenn wir darauf hingewiesen werden oder die Beispiele bereits kennen. Ganz unvoreingenommen fallen uns die Unterschiede nur sehr selten auf.

Klammer auf: Im Frühjahr habe ich mal wieder ein paar alte Folge von „Mit Schirm, Charme und Melone“ mit meiner Tochter gesehen und es fiel mir bei einer Folge ein kleiner Fehler zwischen drei Szenen auf: In der ersten Szene sah man eine Schachtel Pralinen auf der Armlehne eines Sessels, in der darauf folgenden Szene war sie weg und – nach einem weiteren Schnitt – war sie in der nächsten Szene wieder da. Das ist dann ein Beispiel für „change visibleness“ :-) Klammer zu.

Wenn ich mir jetzt so mein erstes Posting über dieses Phänomen ansehe, dann haben wir es da auch mit einer Form von „change blindness“ zu tun. Unser Bewusstsein scheint Fehler die Suchmaschinen machen auch einfach auszublenden, so dass uns ihre Abwesenheit schon gar nicht mehr auffällt.

Dies bedeutet dann konkret, dass wir auf solche Fehler direkt hinweisen müssen und die Verbesserung durch unsere Technologie immer wieder explizit aufzeigen müssen. Wir können einfach nicht erwarten, dass Benutzer dies von selber erkennen. Erst dann werden Benutzer für solche Fehler eine gewisse Aufmerksamkeit entwickeln.

Ergo, fange ich dann mal an eine neue Kategorie mit „vermeidbaren Fehlern“ aufzumachen, die durch „semantische Technologien“ behoben werden können.

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3 Kommentare zu »Change Blindness – über das Nicht-Erkennen vermiedener Fehler«

  1. Easy Roulette Systems schrieb:

    Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.

  2. Mony Mony schrieb:

    An sich n cooler post, aber kannst beim nächsten mal n bisschen detailierter sein?

  3. Michael R. Alvers schrieb:

    Ich glaube nicht, dass „change blindness“ bei der Beurteilung der Leistung von “normalen” Suchmaschinen eine Rolle spielt. Das der Betrachter kleine und große (fehlender auffälliger Schal, andere Person, etc.) nicht-natürliche Veränderungen in z.B. Filmen nicht wahrnimmt, hat – so meine ich – mit der Arbeitsweise des Gehirns zu tun: wir fokussieren auf das Wesentliche und blenden ungewöhnliches und unwichtiges kontextsensitiv aus. Wir können das SO gut, dass man in manchen Experimenten nicht glauben kann, was man NICHT gesehen hat (ich möchte hier mein Lieblingsbeispiel nicht beschreiben, da dann die Lösung im Internet steht; aber glauben Sie mir, es wird Ihr Weltbild verändern … zumindest bei 75% aller Betrachter – wer es sehen will, muss zu mir kommen :) .

    Wenn es um Suche geht, denke ich vielmehr, dass die Tatsache, dass man meistens etwas findet und damit oft schon recht zufrieden ist, verschleiert, dass man was nicht gesehen haben könnte! Und dann stehen da noch Zahlen wie 50.200.000 Suchergebnisse für die Suche nach „Jaguar“. Das ist eine gigantische Menge von Findings! Die überwältigt uns und wir schauen nur 10-20 Ergebnisse an. Aber der Punkt ist doch der: wir wissen vielleicht noch, dass es ein Auto und ein Tier gibt, die Jaguar heißen, aber das es einen Caddy, eine Betriebssystem, eine Uhrenmarke, eine Yacht und eine Schere (!) gibt „sehen“ wir nicht, weil wir es nicht wissen (zumindest ich wusste es nicht). Wir wissen nicht was wir verpassen und „was ich nicht weis macht mich nicht heiß“. Wir werden nur ungeduldig, wenn wir das Suchergebnis irgendwie kennen und es nicht finden. Zum Beispiel eine Telefonnummer. Da haben wir eine Vorstellung vom Suchergebnis. Bei den meisten Fragen haben wir IMHO keine vollständige Vorstellung vom Ergebnis ja noch nicht mal vom Suchraum.

    Semantik kann einen Überblick über den Suchraum bieten, in dem Findings richtig einsortiert werden. Die Entitäten, bei denen es um das Auto geht (Kontext), werden dem Konzept „Jaguar Auto“ zugeordnet, die bei denen es um die Schere geht, entsprechend dem Konzept „Jaguar Schere“. Der Mehrwert liegt hier schon darin, dass mich der Assistent fragen könnte: „meinten Sie das Auto, das Tier, etc.?“.

    Auch kann eine heutige Suchmaschine eine Information über z.B. Investitionen in Dresden nicht finden, wenn man nach Investitionen (in) Deutschland sucht. Sie weis nicht das Dresden ein Teil von Deutschland ist und kann die Information über Investitionen in Dresden nicht als relevant einstufen. Das semantische Netz, die Ontologie im Hintergrund kann dieses Wissen aber bereitstellen. So ist die Einstufung der Information über Dresden als relevant für eine semantische Suchmaschine geradezu selbstverständlich. Die Suche wird vollständig.

    Heutige Suchmaschinen „wissen“ nicht, dass z.B. Aspirin unter 18 verschiedenen Namen gelistet wird (Vitamin E 172!). Sucht man nur nach Aspirin, verliert man alle Ergebnisse für die Synonyme (Acetysal, Solprin, Acylpyrin, Micristin, Dispril etc.). Die Suche wird durch die Berücksichtigung der Synonyme abgelegt im semantischen Netz vollständiger.

    Ich denke auch, das Stellen guter Fragen ist fast schon die Antwort. Ergo um auf die Frage nach „the life, the universe and everything“ keine Antwort „42“ zu bekommen müssen wir gute Fragen stellen können. Ich erwarte, dass mich mein Suchassistent dabei unterstützt und mir aufzeigt „wie alles zusammenhängt“ um richtige Fragen stellen zu können. Kontextsensitive semantische Vorschläge beim schreiben der Suchanfrage kann mittels Hintergrundwissen realisiert werden. Bei der Eingabe von „Behausung Jaguar“ ist schon ziemlich klar, dass man sich im Kontext Tier befindet, bei „Garage Jaguar“ wohl eher im Kontext Auto. Das ermöglicht sinnvollere Vorschläge zu machen und mit dem richtigen „Priming“ zu arbeiten.

    Semantik ist für die genannten Punkte eine Grundvoraussetzung! Wenn man das Netz – im Gehirn die Assoziationen – des Bekannten Wissens nicht nutzt, wird man nie das finden, was man finden könnte.

    Die Ignoranz für das möglicherweise Fehlende hat wie gesagt aus meiner Sicht nichts mit „change blindeness“ zu tun sondern mit einer anderen Blindheit – nennen wir sie „blindness for completeness“.

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