Wie Ontologien in die Welt kommen? (1/3)
Thomas Hoppe, Montag, 14. April 2008Neulich wurden wir wieder einmal gefragt: “Kann man die Ontologie automatisch konstruieren?” Wir hören diese Frage öfter.
Es gibt in der Informatik eine vielzitierte Defintion des Begriffs “Ontologie” (weil das dort ein “terminus technicus” ist) die oft zitiert wird. Sie stammt von Thomas Gruber (Wissenschaftler im Bereich “Knowledge Engineering”, wenn ich mich richtig erinnere):
“Eine Ontologie ist eine explizite formale Spezifikation einer Konzeptualisierung.”
Alles klar?
Nee, natürlich nicht, denn ohne zu wissen “Was eine ‘Konzeptualisierung’ ist” kann man das nicht verstehen. Einfach gesagt handelt es sich bei einer Konzeptualisierung, um eine Unterteilung und Unterscheidung der Objekte dieser Welt (oder eines Problembereichs) in unterschiedliche Mengen (i.E. Klassen, Individuen, Relationen, Attribute, etc.).
Auch noch nicht verständlich?!
Nehmen wir mal als Beispiel den Begriff “Auto”. Aus der Sicht eines Verkehrsplaners handelt es sich dabei um eine der kleinsten Entitäten die ihn bei der Betrachtung von Verkehrsstömen interessiert. Andere sind dann vielleicht Lastwagen, Busse, Motorräder, Fahrräder und Menschen. Das wäre eine Konzeptualisierung.
Aus der Sicht eines KFZ-Mechanikers hat der Begriff “Auto” aber eine etwas andere Bedeutung. Für ihn ist es die größte ihn interessierende Entität, die sich aus Teilen zusammensetzt, gewisse Eigenschaften hat, einem Kunden gehört, evtl. einen Defekt hat, dessen Behebung ihm einen Teil seines Einkommens sichert und, und, und …
Anscheinend gibt es mehrere Konzeptualisierungen des Begriffs “Auto”, die von der Betrachtungsweise abhängig sind, oder anders formuliert von der Problemstellung.
Und nun zurück zur Ausgangsfrage: “Kann eine Ontologie (eigentlich ja die Konzeptualisierung) automatisch konstruiert werden?” Entweder müsste so ein Verfahren die Problemstellung für die die Konzeptualisierung benötigt wird kennen oder es müsste ein auf die Problemstellung spezialisiertes Verfahren sein, denn woher sollte das Verfahren “wissen” welche Konzeptualisierung für die Problemlösung Sinn macht (sinnvoll ist)?
Ersteres wird schwierig, weil man erstmal die Problemstellung beschreiben müsste (auf das Problem, dass man dafür auch wieder eine Ontologie benötigt, gehe ich hier jetzt nicht ein). Letzteres kann man vielleicht machen, ich vermute aber, dass die Konstruktion eines solchen Verfahrens aufwendiger ist, als die Konzeptualisierung gleich von Hand zu erstellen. Jedenfalls ist mir kein solches Verfahren bisher bekannt.
Ok, nun kann man natürlich auch auf die Idee kommen einem allgemeinen Verfahren nur solche Ausgangsdaten zu geben, dass es zwangsläufig nur genau eine Konzeptualisierung extrahieren kann.
Mehr dazu demnächst …


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